Das war RUHR.2010 in Hagen
Rückblick auf ein ereignisreiches Kulturjahr
13. Dezember 2010 – Das Kulturhauptstadtjahr RUHR.2010 mit insgesamt 53 Städte und Gemeinden feierten ein Jahr lang die vielfältige Kunst- und Kulturszene des Reviers. Mit Landes- und Sponsorenmitteln gelang den klammen Kommunen ein außergewöhnlich breit gefächertes Programm, das die Erwartungen an massentauglichen Events genauso erfüllte wie das Bedürfnis nach künstlerischen Höhepunkten. So auch in Hagen. “Volles Programm” vermeldete das Kulturhauptstadtbüro Anfang des Jahres bei der fulminanten Eröffnungsfeier im Theater. Über 100 Veranstaltungen und Projekte in einem attraktiven Programmbuch fanden reißenden Absatz. Dass dies trotz leerer Stadtkassen möglich wurde, dafür sorgten Landesmittel von 287.000 Euro und Sponsoren, die das Budget auf rund 400.000 Euro erhöhten.
Damit war es dem Hagener Organisationsteam möglich, sich an völlig neue Projekte heranzuwagen. Ziel war es, nicht nur stärker als bisher mit besonderen Kulturprogrammen in die Stadt hineinzuwirken und mehr Menschen als bislang für Kultur zu mobilisieren, sondern auch, die Identifikation mit der eigenen Stadt und der Kulturregion Ruhrgebiet zu stärken. “Dazu gehörte erst einmal ein abgestimmtes Vermarktungskonzept”, erklärte die Kulturhauptstadtbeauftragte Rita Viehoff. “Mit ansprechenden Publikationen, einer attraktiven Internetseite, der Präsenz von Hagener Programmen im gesamten Ruhrgebiet und vielen Fernseh- und Hörfunkbeiträgen konnten wir Interessierte immer gut informieren.” Das Ergebnis waren weit mehr ausswärtige Gäste bei Hagener Veranstaltungen und ein breiteres Medienecho als üblich.
Auch bei der eigenen Bevölkerung sollte das Image durch die RUHR.2010 verbessert werden. Projekte wie Stilleben A 40 und Sing! Day of Song mobilisierten Hunderttausende in der Region. In Hagen wurde der Sing! Day of Song Beispiel dafür, dass sich für eine mitreißende Idee viele Bürgerinnen und Bürger begeistern lassen. Über 1.500 Menschen strömten zum Friedrich-Ebert-Platz, als rund 800 Chorsänger zum Mitsingen einluden. Hier konnte man ihn spüren, den Stolz auf eine Kulturregion, die trotz ihrer Strukturschwächen und Finanzproblemen viele Attraktionen und Potentiale aufzuweisen hat.
Markanter Anziehungspunkt für regionale und überregionale Besucherströme war das Kunstquartier, das mit zahlreichen attraktiven Ausstellungen auch die Gäste aus den Nachbarländern Hollands und Belgiens mobilisierte. Anknüpfend an die erfolgreiche Folkwang-Ausstellung im neuen Kunstmuseum in Essen fanden viele Interessierte auch nach Hagen, um den Ursprüngen der Folkwangidee und ihres Begründers Karl Ernst Osthaus nachzugehen.
Überregional deutlich stärker wahrgenommen wurden auch im Theater die Kulturhauptstadt-Projekte rund um den Komponisten Hans-Werner Henze. Unter dem Motto “Neue Musik für die Metropole Ruhr” entstanden Konzert- und Tanzabende, die viele Interessierte lockten und ein breites Medienecho hervorriefen. Das außergewöhnliche Städtepartnerschaftsprojekt “Zäune” lieferte den Beweis, dass authentisches Tanz-Theater mit Jugendlichen nicht nur für die beteiligten Akteure sondern auch für die Zuschauer als großes Theater bleibendem Eindruck hinterlassen kann. Eine Intensivierung partnerschaftlicher Kontakte wurde nicht nur mit Modi´in und Zehlendorf, sondern auch mit Smolensk erreicht, wo das Projekt “Wo ist zuhause” erfolgreich inszeniert wurde.
Die Local Hero-Woche im Juli lieferte die größten Besucher-Erfolge: Offene Gotteshäuser, Denkmäler, Sportstätten luden zu Besichtigungen. Kinderfest und Jugendparty richteten sich ans junge Publikum. Eine lange Museumsnacht aktivierte Nachteulen zu Führungen, Konzerten und Gesprächen bis Mitternacht.
Hauptanziehungspunkt wurde die für den Autoverkehr gesperrte Ebene 2. Das Kulturbüro der Stadt Hagen hatte gemeinsam mit der freien Kulturszene ein vielfältiges Programm zusammengestellt, das Kinder und Erwachsene, Musik- und Theaterfreunde, Einheimische und Zugewanderte ansprach. Mit Begeisterung nahmen knapp 20.000 Besucher an drei Tagen an dem ungewöhnlichsten Fest teil, das Hagen je feierte.
Im Zusammenhang mit dem Kunstprojekt „Sehnsucht nach Ebene 2“ entstanden 2010 interkulturelle Projekte wie die Weltreise Altenhagen, die Ausdruck eines vielfältigen Miteinanders von Kulturen in diesem eher unscheinbaren Hagener Stadtviertel ist. Hier wie in anderen Projekten wurde mit ganz neuen Partnern zusammengearbeitet. Jugendliche aus Zuwandererfamilien arbeiteten gemeinsam mit dem Kulturbüro, der VHS und dem Heimatverein an einer neuen Stadtteilführung, die ein großes Echo fand und fortgesetzt werden soll.
Die fruchtbaren neuen Ansätze sowie Kooperationen und Netzwerke sollen wo möglich weiter gepflegt werden - sowohl innerhalb der Stadt als auch ins Ruhrgebiet reichend. Einige Projekte bleiben über das Jahr 2010 hinaus bestehen.
Schon jetzt freut man sich auf die Wiederholung der Hagener Museumsnacht im übernächsten Jahr. Der Tag der offenen Gotteshäuser führte zur Gründung eines konfessionsübergreifenden Arbeitskreises, der für 2011 einen Tag der Religionen vorbereiten wird. Die Karl-Halle-Gesellschaft plant für das nächste Jahr zusammen mit der Stadt Hagen weiter Projekte. Und der „Tag des Jugendstils“ und die Route der Wohnkultur verbuchten ebenfalls einen großen Erfolg mit 3.000 Besuchern auf dem Friedrich-Ebert-Platz und 250 ausgebuchten Führungen. Die Resonanz führte zu der dauerhaften Einrichtung eines Arbeitskreises Jugendstil mit privaten und öffentlichen Akteuren. Viermal pro Jahr soll künftig getagt werden, um neue Projekte zum Thema Jugendstil in Hagen zu entwickeln und umzusetzen.
Die beiden TWINS-Projekte „Wo ist zuhause“ und „Zäune“ führten zu gemeinsamen Aktivitäten zwischen den Städten Hagen und Smolensk (ein Hagener Projektchor ist bereits im Rahmen des Städtepartnerschaftsjubiläums in Smolensk aufgetreten, weitere Kooperationen sind in Planung) und es entstanden Netzwerke zwischen dem Theater Hagen und einigen Schulen. Das Thema „Integration statt Ausgrenzung“ wird auch in weiteren gemeinsamen Projekten zwischen Theater und Schule behandelt.
Und auch die Stadtbücherei ist mit der Resonanz auf das Veranstaltungsprogramm sehr zufrieden: Insgesamt wurden hier mehr als 1.300 Besucher im Rahmen der RUHR.2010-Aktivitäten gezählt. Eine Reihe von Lesungen werden wiederholt.
Derweil plant der RVR auch für 2011 weitere Treffen der Kulturhaupstadtbeauftragten, um einige große Projekte auch in Zukunft wieder gemeinsam neu aufzulegen. Dazu zählen die Projekte Ruhrlights: Twilight Zone und Sing! Day of Song. Auch entsprechende Fördermittel sind vom RVR und dem Land in Aussicht gestellt.
Veranstaltungen wie Mord am Hellweg, interkulturelle Ausstellungen im Kunstquartier (wie die Istanbul-Ausstellung) und Jugendtheaterprojekte im Theater sind bereits fester und dauerhafter Bestandteil der Hagener Kulturlandschaft.
Der Veranstalterkreis RUHR.2010 in Hagen bleibt unter der Regie des Kulturbüros weiter bestehen. Der Kreis ist weit gefasst und vereint nicht nur Kulturinstitutionen und -schaffende, sondern reicht auch in Bereiche der Denkmalpflege und Wirtschaftsförderung.
Damit Hagen als Kulturhauptstadt RUHR.2010 noch möglichst lange in Erinnerung bleibt, hat das Kulturbüro der Stadt Hagen einen Foto-Kalender zusammengestellt.
Denn eine Menge Fotografen haben die besonderen Augenblicke des Jahres 2010 festgehalten. Der Kalender ist für eine Schutzgebühr von 5 Euro ab Ende der Woche erhältlich bei der Buchhandlung Kersting in der Hohenzollernstraße, der Buchhandlung am Rathaus in der Marienstraße, der Hagen Touristik im Rathaus an der Volme sowie im Museumsshop im Kunstquartier.

